Rechtsfragen des Einsatzes künstlicher Intelligenz in den Rechtsberufen
Rechtsfragen des Einsatzes künstlicher Intelligenz in den Rechtsberufen (Vorbereitungsseminar)
Prof. Dr. Matthias Kilian
Künstliche Intelligenz hält mit hoher Geschwindigkeit Einzug in Kanzleien, Rechtsabteilungen, Gerichte und den Rechtsdienstleistungsmarkt insgesamt. Sie verändert nicht nur Arbeitswei-sen und Geschäftsmodelle, sondern wirft grundlegende rechtliche Fragen auf. Dieses Semi-nar nimmt die Rechtsfragen in den Blick, die Rechtanwälte, Steuerberater und Patentanwälte als Angehörige der klassischen Rechtsberufe betreffen: Welche berufsrechtlichen Grenzen gelten für den Einsatz von KI für sie? Welche haftungsrechtlichen Risiken entstehen? Wie verhält sich der Einsatz von KI zu Verschwiegenheit, Eigenverantwortlichkeit und Unabhän-gigkeit, die Wesensmerkmal dieser Berufe sind? Und in welchem Verhältnis stehen nationale Berufs- und Haftungsregeln zu europäischen Regulierungsansätzen wie der KI-Verordnung?
Das Seminar widmet sich diesen Fragen mit einem Schwerpunkt auf dem Anwalts- und Be-rufsrecht, bezieht aber auch zivilrechtliche, arbeitsrechtliche, strafrechtliche und rechts-dienstleistungsrechtliche Aspekte ein. Ziel ist es, Studierenden einen vertieften Einblick in die rechtlichen Rahmenbedingungen des KI-Einsatzes im Recht zu vermitteln und zugleich aktu-elle Regulierungs- und Reformdiskussionen aufzugreifen.
Folgende Themen stehen zur Auswahl:
1. KI-gestützte Beratung in Rechtsfragen – erlaubnispflichtig nach dem Rechtsdienst-leistungsgesetz?
Menschliche oder maschinelle Tätigkeit, der Rechtsdienstleistungsbegriff und die Be-deutung des Europarecht
2. Berufsrechtliche Pflicht zur Gewissenhaftigkeit und der Einsatz von KI
KI-Kompetenzen, Prüfpflichten und der sorglose Umgang mit KI-generierten Ergeb-nissen
3. Besteht eine Pflicht zum Einsatz von KI?
Gewissenhaftigkeit, Erkenntnisquellen und die Frage eines künftigen „KI-Nutzungszwangs“
4. Eigenverantwortlichkeit des Rechtsanwalts im Zeitalter von KI
Delegation an Maschinen, Black-Box-Probleme und § 613 BGB
5. Verschwiegenheitspflichten und KI
Cloud-basierte KI, Outsourcing und internationale Anbieter
6. Schatten-KI in Kanzleien
Berufs-, arbeits- und organisationsrechtliche Herausforderungen durch inoffizielle KI-Nutzung
7. Informationspflichten gegenüber Mandanten beim Einsatz von KI
Berufsrecht, Zivilrecht und europäische Informationsregime im Vergleich
8. Haftung für KI-gestützte Rechtsberatung
Vertragliche und deliktische Haftung, Pflichtverletzungen durch Einsatz oder Nichtein-satz von KI
9. KI und anwaltliches Wahrheitsgebot
Halluzinierte Rechtsprechung, falsche Zitate und berufs- und strafrechtliche Sanktio-nen
10. Vergütung anwaltlicher Leistungen im KI-Zeitalter
RVG, Zeithonorare, neue Vergütungsmodelle und veränderte Mandantenerwartungen
Sie können drei Wunschthemen benennen. Sollten sich mehrere Teilnehmerinnen oder Teil-nehmer für ein Thema interessieren, erfolgt die Vergabe durch Los. Die Anmeldung ist aus-schließlich über KLIPS möglich.
Das Seminar kann als Vorbereitungsseminar oder als Doktorandenseminar belegt werden.
Der Bearbeitungszeitraum wird nach individueller Absprache festgelegt. Die Präsentation der Seminararbeiten erfolgt in der vorlesungsfreien Zeit zum Ende des Sommersemesters (d.h. voraussichtlich Ende September 2026). Eine Anwesenheit ist zwingend erforderlich.
Das Seminar wird betreut von WissMit Dilan Hafthalla (dhafthal(at)uni-koeln(dot)de).